5. März 2013

Buchempfehlung: Das Schmetterlingsmädchen

An nur einem Wochenende ausgelesen: Das Schmetterlingsmädchen von Laura Moriarty



Ich gestehe, für den Kauf habe ich mich im Grunde durch das schöne Cover im Vintagestil hinreisen lassen. Doch im Buch verbirgt sich eine wirklich bezaubernde und ergreifende Geschichte über eine rauschhafte Epoche - und über zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Sommer 1922, drückende Schwüle hält das ländliche Kansas seit Wochen unerbittlich in seinen Klauen. Auch Cora leidet darunter. Vorallem, da sie ihrer täglichen Routine im Haus beraubt ist, da ihre fast erwachsenen Söhne die Ferien auf einer Farm verbringen. Sie langweilt sich und sehnt sich nach einer sinnvollen Aufgabe. Dieser Wunsch soll bald in erfüllung gehen. Denn die fünfzehnjährige Louise bekommt ein Angebot aus New York, die Chance ihres Lebens und die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches. Sie darf einen Monat lang an der berühmten Denishawn Academy trainieren. Louise ist sich sicher, das ist ihre Eintrittskarte in das Leben, von dem sie immer geträumt hat und für das sie seit ihrer Kindheit tagtäglich hart arbeitet.

Doch so einfach ist es nicht. Denn eine Minderjährige sollte selbtsverständlich nicht ohne Aufsichtsperson nach New York reisen und schon gar nicht, wenn es sich um eine exzentrische, freizügige und leicht arrogante fünfzehnjährige handelt, die überall aneckt und den Menschen in ihrer kleinen Stadt genug Zündstoff für Klatsch und Tratsch liefert. Mit ihrer orientalischen Schönheit schafft sie es immer wieder ihren Gegenüber mit nur einem Augenaufschlag in ihren Bann zu ziehen. Doch kommt man in den Genuss, sich mir ihr zu Unterhalten, ist man sich bald nicht mehr so sicher, das die oft scharfen und provokanten Worte tatsächlich aus dem Mund eines derart grazilen Mädchens entspringen können. Was keiner weiß: Louise Brooks ist Meisterin im Manipulieren, Verwirren und Herzenbrechen!

Nun kommt Cora in's Spiel, die als verheiratete und geehrte Frau eine perfekte Anstandsdae abgibt und sich bereit erklärt Louise für den Sommer nach New York zu begleiten. Mit Cora und Louise treffen zwei Welten aufeinander: traditionelle Konventionen und moderne Lebensfreude und für Cora ist es oft nicht einfach den Wildfang zu bändigen, oft unterliegt sie den Wortwechseln mit Louise haushoch, da ihr einfach die richtigen Argumente fehlen.

"Louise, ein Mädchen in deinem Alter isst nicht mit Männern, die sie nicht kennt, zu Mittag. Nicht ohne Anstandsdame."
"Warum nicht?"
"Weil es sich nicht schickt."
Warum nicht?"
"Weil man es einfach nicht macht."
"Warum nicht?"
"Weil es unschicklich wirkt."


Allerdings entschließt sich Cora nicht allein aus diesem zeitlich passendem Angebot für einen Tapetenwechsel und die beschwerliche Reise an die Ostküste. Es eröffnet ihr insgeheim auch die Chance, etwas über ein dunkles und viel zu lange totgeschwiegenes Kapitel ihrer eigenen Kindheit zu erfahren. Nur sie weiß, dass sie eine Fassade wahrt, die ein Geheimnis der ersten Lebensjahre kaschiert. Nach viel zu vielen Jahren des Schweigens bietet sich plötzlich die Möglichkeit, einer blassen Erinnerung unbehelligt im Schutz der anonymen Großstadt nachzugehen. 

Als das ungleiche Duo den Zug in Wichita besteigt, wissen beide nicht, dass genau in diesem Moment die Gleise ihrer Lebenswege neu verlegt werden. Sie bleiben auf eine schmerzliche Weise miteinander verbunden, lange über den Tod hinaus...


Eine wunderbare Geschichte über zwei Frauen in einer aufregenden Zeit. Laura Moriarty hat der realen Person Louise Brooks mit Cora eine fiktive Person zu Seite gestellt und das Schicksal der beiden meisterhaft verknüpft. Die historischen Deteils sind sehr gut recherchiert und man findet sich beim lesen sofort in die Zeit der 30iger Jahre versetzt.

Viel Spass beim lesen!

♥lichst

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen